SVZ 04. Mai 2010 | 00:10 Uhr | von Mayk Pohle

Klaus Jarmatz setzt auf die Zusammenarbeit mit den Bürgern. 

ZARRENTIN/SCHALIß – Das Biosphärenamt Schaalsee hat den vor wenigen Tagen geöffneten Weg zwischen Schaliß und Techin wieder per Allgemeinverfügung formal sperren lassen. Zugleich nahm das Amt als zuständige Naturschutzbehörde Ermittlungen gegen Unbekannt auf. Es geht um die begangenen Ordnungswidrigkeiten, wie z. B. das Ausholzen des Weges oder den möglichen Einsatz eines Radladers. Gegen die Stadt selbst gibt es vom Amt dagegen keine Anzeige, weil kein städtischer Mitarbeiter an der Aktion beteiligt war. Amtsleiter Klaus Jarmatz forderte im gestrigen SVZ-Gespräch dennoch von der Stadtvertretung eine klare Positionierung auch zur eigensinnigen Aktion der Bürgermeisterin. Er sei enttäuscht über die Aktion, die eine jahrelange Zusammenarbeit mit der Stadt gefährdet habe. Noch immer stehe eine vernünftige Wegenetzplanung für Zarrentin und Umgebung aus, das Amt habe da immer Angebote gemacht.

Es gibt aber auch Lob für den Schritt von Greta Glass, z. B. von Wilhelm Hanebek im Namen einer Bürgerinitiative “Leben im Reservat” und auch direkt Betroffener der Wegediskussion. “Die Bürgermeisterin hat demokratisch und nicht im Alleingang gehandelt, indem sie aus jeder Fraktion, aus bürgerlichen Vereinigungen und aus dem Biosphärenamt Mitglieder in den Arbeitskreis berufen hat. Sie handelte im Sinne der hier lebenden Menschen, die ihre Natur nicht zerstören wollen, sondern dazu gehören möchten”, schreibt Hanebek.

Der Weg, den die Bürgermeisterin angeblich illegal öffnen ließ, sei vor 20 Jahren illegal – ohne Diskussion – vom damaligen Naturparkamt für die Öffentlichkeit gesperrt worden. Und es gäbe einen gültigen Flächennutzungsplan der Gemeinde von 1999, der den Weg als Wanderweg ausweise. Etwa 1991 ist der Wiesenweg durch den damaligen Landwirtschaftsbetrieb noch einmal breit ausgeschoben worden. Danach sei er gesperrt – ohne Diskussion oder Konsenssuche. Und weiter: “Ein Schlagbaum löste den anderen ab. War das nicht illegal, die Fortsetzung des Unrechts von vor der Wende nach der Wende? ”

Ähnlich argumentiert Ursula Gröttrup, Erste Vorsitzende von Pro Techin, e.V: “Der Verbindungsweg zwischen Zarrentin und dem Dorf Techin ist ein uralter Weg, der erst nach der Grenzöffnung abgesperrt wurde – und genau das war illegal. Wer auch immer dies damals veranlasst hatte, hat die Gesetze nicht richtig gelesen, denn auch das Amt für Biosphärenreservat, das sich in dieser Region aufführt wie ein Staat im Staate, darf Fußwege nicht einfach sperren, tut es aber ständig in seinem “Herrschaftsbereich”, ohne Rücksprache mit den betroffenen Anwohnern. Die Bemerkung, damit die Schlafplätze der Kraniche zu stören, ist falsch. Der Weg führt an der Kernzone vorbei und nicht, wie behauptet wird “hin”. Tatsache ist, dass Wanderer, die von Zarrentin aus die nächsten Dörfer erreichen wollen, entweder auf der Straße oder an der Straße entlang laufen müssen. Unsere Bürgermeisterin, Greta Glass, hat richtig und im Sinne aller Bürger gehandelt, die sich für den sanften Tourismus einsetzen und den Autoverkehr reduzieren möchten”, heißt es in einem Schreiben, das gestern unserer Redaktion zuging.

Ganz anders hingegen die Argumentation von Gerd Schriefer, Vorsitzender der Stiftung Biosphäre Schaalsee und zugleich auch Vorsitzender des Fördervereins: “Mit Entsetzen verfolgen wir nun jedoch seit längerem die öffentliche Diskussion einiger Bürger Zarrentins, die zum Teil auch über die Medien geführt wird mit der Forderung, in dem sensiblen Seevorlandbereich eine Wegeerschließung vorzunehmen”, heißt es in einem offenen Brief an die Bürgermeisterin. “Als Bürgermeisterin der Stadt Zarrentin am Schaalsee haben auch Sie eine besondere Verantwortung dafür Sorge zu tragen, dass die Rahmenbedingungen für das UNESCO-Biosphärenreservat Schaalsee soweit wie möglich umgesetzt werden. Das schließt ganz besonders die Bestimmungen der Landesnaturschutzgesetzgebung mit ein. Wir fordern Sie daher auf, die Erschließungsmaßnahmen und deren Nutzung zu untersagen.”

9 Kommentare zu “Schaliß: Geöffneter Weg wieder dicht”

  1. W.H.am 25.05.2010 um 11:43

    Der Amtsleiter Jarmatz setzt leider nicht auf die Zusammenarbeit mit den Bürgern. Das zeigen alleine die 20jährigen Bemühungen um ein einigermaßen attraktives Wegenetz in der Schaalseeregion. Konsenz war immer nur von uns gefordert. Von der Amtsseite war nie ein Entgegenkommen zu merken. Entlang der Strasse war sein Motto. Nun wehren sich einige Bürger. Dann wird gleich wieder der Gesetzeshammer geschwungen und von Straftaten gesprochen. Das Amt hat einen uralten Weg mit Gesetzesmacht gesperrt mit fadenscheiniger Begründung, ein Weg, der Eigentum der Stadt ist und für den es einen Flächennutzungsplan gibt. Spielt aber alles keine Rolle. Der Amtsleiter “kündigt daraufhin die Zusammenarbeit mit der Stadt auf” lauthals in der Öffentlichkeit per Zeitungsartikel! Herr Schriefer ist ” entsetzt über die öffentliche Diskussion einiger (ungehorsamer) Bürger”. Die Verantwortlichen der Naturschutzverwaltung hier sollten sich vielleicht ein kleines bisschen die Meinung der hiesigen Bevölkerung zu Herzen nehmen. Auf der letzten Stadtvertretersitzung waren zu dem Thema immerhin 70 bis 80 interessierte Bürger anwesend. Noch nie gab es das Interesse auf einer Stadtvertretersitzung! So etwas wird jedoch geflissentlich ignoriert. Zufällig war zu der Sitzung auch kein Redakteur der SVZ anwesend, kein Bericht in der Zeitung. Reaktionen des AfBR sind, es werden Wegeschilder abgebaut, Stände für einen städtischen Kunstmarkt nicht mehr vom AfBR an die Stadt verliehen usw. Warum sind wir Bürger auch so ungehorsam und lassen uns nicht einfach alles gefallen, dann wäre doch die “Zusammenarbeit” viel leichter und besser. Freundlich gegrüßt WH

  2. S.Finckam 11.07.2010 um 18:18

    Wo bleibt der Mensch in der Biosphäre?

    Der wunderschöne Schaalsee ist das Zentrum des hiesigen Biosphärenreservats, eines Gebiets, das nach Richtlinien der UNESCO verwaltet werden soll. Diese Richtlinien zielen auf den Erhalt historisch gewachsener Kulturlandschaften, es geht um eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung der Region, die mit dem Schutz der einzigartigen Landschaft vereinbar ist. Die zentralen Fragen – auf der offiziellen Homepage der Deutschen UNESCO-Kommission veröffentlicht – lauten: Wie können wir Umweltschutz und Wirtschaft zusammen bringen? Wie können Mensch und Natur einträchtig zusammen leben? Nicht umsonst heißt das Programm: Der Mensch und die Biosphäre. Es dient der Einschränkung des Verlustes biologischer Vielfalt und es dient der Weiterentwicklung sozialer, wirtschaftlicher und kultureller Voraussetzungen ökologischer Nachhaltigkeit. Prinzipiell hat es den Menschen als Bestandteil der Biosphäre im Blick.
    Vor etwa 20 Jahren, als die innerdeutsche Grenze fiel, wurde die Landschaft um den Schaalsee erstmals für die nun in einem ehemaligen Grenzgebiet lebenden Menschen wieder zugänglich. Der See, den sie viele Jahrzehnte nicht befahren, ja auf dem sie nicht einmal weit schwimmen durften, war wieder frei. Die vielen kleinen Wege, die verschlungen um den See herumführten und nur von der Armee genutzt wurden, waren wieder begehbar. Das Städtchen Zarrentin, einst ein verschlossener Ort an der Grenze, atmete auf – Häuser wurden saniert, Wege gepflastert, das alte Kloster wieder in Schuss gebracht, hier und da begannen die Zarrentiner an Urlauber zu vermieten. Ihre Heimat erhielt zunächst den Status eines Naturparks, um 1998 zum Biosphärenreservat erklärt zu werden. Bereits 1990 wurde die Leitung der Verwaltung dieses Gebiets von K. Jarmatz übernommen, einem studierten Biologen aus Neuhaus/Elbe, der sich in den ersten zwei Jahren seiner Leitung in einem postgradualen Studiengang in Berlin mit Umweltschutz und Umweltmanagement beschäftigte.
    Die Zarrentiner glaubten einer Zukunft entgegen zu sehen, in der ihr See und die umliegenden Landstriche vor destruktiven Kräften geschützt wären, vor mächtigen Investoren, die Tourismus auf Kosten von Natur und Mensch betreiben würden, vor Hotelketten, die sich an den Ufern des Sees ansiedeln und dessen einzigartige Tier- und Pflanzenwelt zerstören würden, vor einem Massentourismus, der letztlich die gesamte Region ausbeuten und ruiniert zurücklassen würde. Und vor all diesem Unheil waren sie geschützt. Nur hatten sie nicht mit einer anderen destruktiven Kraft gerechnet, die sich zwar nicht gegen die sensible Ökologie der Region richtete, aber gegen die hier lebenden Menschen und deren Ideen von einem naturnahen, behutsamen Tourismus. Einem Tourismus, der die umliegenden kleinen Dörfer mit ihren kopfsteingepflasterten Straßen und ihren roten Backsteinhäusern in eine nachhaltige Entwicklung einbeziehen würde. Die Menschen hier dachten an Rad- und Wanderwege – mit genügendem Abstand zu sensiblen Uferbereichen – auf denen Urlauber den See umrunden und gelegentlich an ausgewiesenen kleinen Stränden baden könnten. Sie dachten an seenahe Reitwege, an Gasthäuser, in die Radler und Reiter einkehren konnten, an belebte Dörfer, an Arbeit, an Leben.
    Die Verwalter des Schutzgebietes hatten allerdings andere Pläne. Und die Urlauber, die aus der ganzen Republik anreisten, begannen immer häufiger zu fragen, von wo aus sie denn den Schaalsee sehen könnten, die Wege führten soweit weg vom See, an ihm vorbei und letztlich auf asphaltierte Straßen. Für einen Spaziergang reichten die Wanderwege gerade, für eine richtige Wanderung wären sie weniger geeignet, man hätte nicht viel vom See und auf Landstraßen könne man auch woanders Rad fahren. Da lohne es sich nicht sehr, ein paar Tage hier zu verbringen und Kraniche, mit denen auf Prospekten geworben wird, hätten sie im Übrigen auch nicht gesehen. Dass unter der Leitung von Diplom-Biologe und Umweltmanager K. Jarmatz Auflagen dafür sorgten, dass sanierte Straßen nunmehr kaum Platz für einander entgegenkommende Autos boten und Radfahrer häufig nur unter lebensgefährlichen Bedingungen vorankamen, verstanden weder Einwohner noch Urlauber.
    Nach und nach begann den Menschen ihre Heimat zu entgleiten. Schon wieder. Versuche, über den eigenen Lebensraum wenigstens mitbestimmen zu dürfen, scheiterten an der autoritären Haltung der Gebietsverwaltung. Bauvorhaben wurden durch lächerlich anmutende Streitigkeiten über deren Ausrichtung nach Norden oder Osten über Jahre verzögert, Genehmigungen für Ausflugslokale in Seenähe (und das bedeutet nicht einmal Ufernähe) waren nur unter größten Schwierigkeiten zu bekommen. Segel- Paddel- und Ruderboote, die zunächst bis Sonnenuntergang den See befahren durften, mussten nun 21.00 wieder am Ufer liegen – die Tierwelt schläft wohl pünktlich. Zur Überraschung der Bürger wurde allerdings binnen kürzester Zeit ein Weg mitten durch das bis dahin unberührte und hochsensible Moor gebaut – er beginnt direkt am Sitz der Verwaltung des Biosphärenreservats und eignet sich damit hervorragend zu repräsentativen Zwecken. Im Gegensatz dazu hätte ein Zeltplatz an dem kleinen Flüsschen Schaale vielleicht überlebt, wenn es den Urlaubern nicht untersagt gewesen wäre, über die Schaale den See per Boot zu erreichen. Für Touristen, die auf dem kleinen Elektro-Ausflugsboot den See erkunden wollen, gibt es keine Ziele, die sie ansteuern könnten, um ein Eis zu essen oder eine Tasse Kaffee zu trinken. Und dem Bootsverleih in Zarrentin ginge es wirtschaftlich sicher besser, hätte man die Möglichkeit mit dem gemieteten Boot irgendwo anzulegen.
    Aber wir wollen der Gebiets-Verwaltung und Herrn K. Jarmatz auf keinen Fall Unrecht tun. Die Urlauber können in ihren Mietbooten schließlich auf der Zarrentin gegenüberliegenden Seeseite anlegen: An der Badestelle in Schaliß, an einem kleinen Steg, der auf einen idyllischen, etwa auf 20 Metern zugänglichen Uferstreifen führt. Hat man nun dort angelegt und verlässt das Boot, den Picknickkorb in der Hand, eine Decke im Rucksack und auf der Suche nach einem Plätzchen mit Blick auf den See, wird man enttäuscht. Kein Weg führt am See entlang, will man den umwerfenden Blick über das glitzernde Wasser genießen, darf man die Badestelle nicht verlassen. Man bleibt folglich vor dem gemieteten Boot sitzen, picknickt gemütlich, hofft, dass kein zweites Boot anlegt, denn dann wäre die Wiese voll besetzt und man freut sich auf den anschließenden Spaziergang durch die seenahen Wiesen und Wälder.
    Fröhlich wandert man los und stößt schon nach ein paar Metern auf ein Verbotsschild. Keinen Schritt weiter darf man auf dem Weg, der aus Schaliß zwischen den reetgedeckten und langsam verfallenden Bauernhäuschen Richtung Techin herausführt, mehr tun. Und der Verfall ist gewollt. Nachdem die Grenztruppen der DDR Schaliß von der Außenwelt abgeriegelt und dem Verfall ausgesetzt hatten, übernimmt nun die Leitung des Biosphärenreservats diese Aufgabe. Das 800 Jahre alte Dorf soll endgültig verschwinden, schließlich nisten Kraniche in der Gegend. Ein plötzlich aufgetauchtes Schild, das einst sogar die Durchfahrt nach Schaliß verbot, verschwand wieder, als sich nach etwa 10 Jahren herumsprach, dass es dafür keine Genehmigung gab.
    Jenseits des Verbotsschildes nun, das mit dem Verweis auf ein Naturschutzgebiet den unternehmungsfreudigen Urlauber stoppt, ist ein breiter Weg zu sehen, hohle Weiden bilden ein Spalier, Ranken schließen sich hoch über ihm zu einem grünen Himmel zusammen. Dieser Weg ist so alt wie das sterbende Dorf Schaliß, verband es über Jahrhunderte mit dem Nachbardorf Techin und diesen einen Weg wollen sich die am und um den Schaalsee lebenden Menschen nicht wegnehmen lassen.
    1990, nach dem Fall der Grenze und dem Abzug der am See stationierten Truppen, die den alten Wiesenweg befahren hatten, fanden Urlauber den Weg erneut versperrt und ein Schild warnte vor weidenden Bullen und verwies auf ein Naturschutzgebiet. Nur die Mutigsten wagten sich weiter vorwärts und mit den Jahren begann der Weg zu verwildern. Als sich nach einiger Zeit unter diese Mutigen auch ortsansässige Bürger mischten, stellten sie fest, dass mitten auf dem Weg Bäume gepflanzt worden waren. Sollte der alte Weg verschwinden?
    Überspringen wir die nächsten Jahre, in denen mal mehr und mal weniger Bürger um den Erhalt ihres Wiesenweges kämpften, in denen Unterschriften gesammelt, Institutionen angeschrieben und Minister um Hilfe gebeten wurden, die Leitung der Verwaltung des Biosphärenreservats aber zu keiner Einigung bereit war. Im August 2009 wurde eine Bürgerinitiative gegründet und man fand heraus, dass sich der Weg im Eigentum der Stadt Zarrentin befindet. Bestätigt wurde das, als die Stadtvertretung kurz darauf auf einen gültigen Flächennutzungsplan von 1999 stieß, in dem der Weg als Wanderweg ausgewiesen war. Als Anfang 2010 sich Vertreter des Landwirtschaftsministeriums mit Stadtvertretern, interessierten Zarrentiner Bürgern und der Leitung des Biosphärenreservats trafen, um über eine gemeinsame Zusammenarbeit zu verhandeln, bestätigte das Ministerium die Planungshoheit der Stadt Zarrentin. Der Minister Dr. Backhaus legte die langfristige Verwaltung des Gebiets auf einen naturverträglichen, behutsamen Tourismus fest und bekräftigte die Planungshoheit der umliegenden Gemeinden. Biosphärenreservate seien Modellprojekte und abhängig von der finanziellen Förderung der UNESCO. Könnte der Schutz der Flora und Fauna nicht mit dem Leben der ortsansässigen Menschen in Einklang gebracht werden, könnte nicht für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung gesorgt werden, würde auch die Förderung ins Wanken geraten. Nun konnte Herr K. Jarmatz nicht sagen, wer den alten Weg damals hatte sperren lassen und die Empörung wie auch den über Jahrzehnte anhaltenden Widerstand in der Bevölkerung ausgelöst hatte. Obwohl ihm die Leitung des Gebiets oblag, wäre er dafür nicht verantwortlich gewesen, bekräftigte er mehrfach. Der Leiter der Verwaltung des Biosphärenreservats hatte in den 90er Jahren offenbar keine Kontrolle über Verbotsschilder, die illegal in seinem Zuständigkeitsbereich aufgestellt wurden, duldete sie jedoch über fast 20 Jahre und verteidigte sie schließlich sogar.
    Aber nun schien sich ja endlich alles zum Besseren zu wenden. Die Bürgermeisterin reagierte im Sinne des Treffens und eine Arbeitsgruppe wurde gebildet. Dazu gehörten Mitglieder der Fraktionen, der Ortsteilvertretungen, der Bürgerinitiative, des Gewerbe- und Tourismusvereins und natürlich auch Vertreter der Verwaltung des Biosphärenreservats. Bereits auf der ersten Sitzung wurde der Beschluss gefasst, die unrechtmäßige Beweidung des Weges zu unterbinden, das illegale Verbotsschild zu entfernen und den uralten Wiesenweg wieder passierbar zu machen. Und so geschah es.
    Die Verwunderung der Zarrentiner, Techiner, Lassahner und Bantiner Bürger war groß, als sie ein paar Tage später feststellten, das der Weg erneut gesperrt worden war. Niemand war informiert worden. Hatte die Gemeinde den Minister falsch verstanden? Setzte sich Herr K. Jarmatz über die ministerialen Empfehlungen und die Anweisung der Bürgermeisterin hinweg? Wusste er möglicherweise wieder einmal nichts von dieser Sperrung? Was war geschehen?
    Nun, diesmal hatte K. Jarmatz die Sperrung per Allgemeinverfügung in einem völlig legalen Schnellverfahren selbst verordnet. Nur gesagt hatte er niemandem etwas davon. Naturschutzfachliche Gründe seien ausschlaggebend gewesen, erfuhr man später. Woher sein gesteigertes Interesse gerade an diesem Weg rührt, weiß niemand genau. Die Argumentation für eine Sperrung des Weges seitens der Leitung der Verwaltung ist nicht besonders klar. Anzuführen, der Weg sei bereits in der DDR gesperrt gewesen, der Zugang sei Menschen folglich schon sei vielen Jahrzehnten verwehrt, ist lächerlich. Verträgt sich die Nutzung durch eine Grenztruppe mit dem Schutz der Tier- und Pflanzenwelt? Die Kernzone des Biosphärenreservats in die Wagschale zu werfen, führt auch zu keinem überzeugenden Grund für die erneute Sperrung. Denn der Wiesenweg, der ob seiner Jahrhunderte alten Nutzung nicht einmal der Erschließung bedarf, führt, wie andere Wanderwege auch, an der Kernzone des Schutzgebietes vorbei und die anliegenden Wiesen werden landwirtschaftlich genutzt. Das Wegeverbot hat für den alten Wiesenweg keine Bedeutung, es gibt ihn ja schließlich und ein Betretungsverbot gilt im Reservat für vorhandene Wege nicht. Im Kataster ist der Wiesenweg verzeichnet, auf anderen Karten ist er auch zu finden, nur in den Karten der Verwaltung des Biosphärenreservats, die an Urlauber verteilt werden, wurde er getilgt.
    Für die Bürger der angrenzenden Dörfer, deren Lebensqualität direkt von den Möglichkeiten, die ihnen ihre Heimat bietet, abhängt, ist das totalitäre Hinwegsetzen über ihre Wünsche und Vorstellungen nicht zu verstehen. Die Zarrentiner beginnen sich bereits zu fragen, wer über die Geschicke des Ortes und seiner Bürger bestimmt – die von ihnen demokratisch gewählte Stadtvertretung oder die Leitung des Biosphärenreservats? Und hatte nicht sogar der Minister Backhaus eine gemeinsame Lösung, wie sie in der Arbeitsgruppe von Stadtvertretung und Vertretern der Verwaltung des Biosphärenreservats gefunden worden war, nahegelegt? Darf Herr K. Jarmatz, der Umweltmanager, sich über die Anliegen all dieser Menschen hinwegsetzen? Hält er die Stadtvertretung für unfähig, in demokratischer Weise vernünftige und nachhaltige Entscheidungen hinsichtlich ihrer Heimat zu treffen? Diese Sorte des Schutzes von See, Wald und Wiesen samt deren gefiederten, gepanzerten und behaarten Bewohnern zeigt hier ein sehr hässliches Gesicht, ist autoritär und lässt einen wichtigen Teil der Natur gänzlich unberücksichtigt: den Menschen.
    In den Leitlinien der Projektierung von Biosphärenreservaten geht es um den Erhalt historisch gewachsener Kulturlandschaften, es geht um eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung der Region, die mit dem Schutz der einzigartigen Landschaft vereinbar ist. Nicht umsonst heißt es: Der Mensch und die Biosphäre. Das Vorgehen der hiesigen Gebietsverwaltung, diese UNESCO-Vorgaben einseitig auf unzureichend begründeten und totalitär verfolgten Naturschutz einzuschränken, gefährdet das gesamte Modellprojekt. Verliert die Region durch diese Vorgehensweise weiterhin an touristischem Wert, bleiben, das zeichnet sich seit Jahren ab, mehr und mehr Urlauber weg. Und die daraus resultierenden Folgen sind für jeden leicht einsehbar: Die Gemeinden werden verarmen, ihre mühsam und voller Hoffnung nach der Wende errichtete Infrastruktur zerstört werden, die Dörfer werden veröden, weil kaum noch jemand Arbeit findet – die Menschen hier wird dasselbe Schicksal ereilen, das viele andere Dörfer Mecklenburgs bereits getroffen hat. Und das, obwohl sie hier diese einzigartige Chance haben.
    Aber kehren wir zurück zum Sommer 2010. Ein paar Wochen und unzählige Briefe, Stellungnahmen, Versammlungen, wie auch offene und weniger offene Drohungen seitens der Verwaltung des Gebiets später, gibt es plötzlich eine Veränderung. Alle Stadtvertreter werden von der Reservatsverwaltung eingeladen und treffen im sog. Pahlhuus, dem offiziellen Sitz der Biosphären-Verwaltung, auf den Landrat: Und der macht ihnen ein Angebot: Der Stadt wird die Finanzierung eines Radweges angeboten – im Tausch gegen den Wiesenweg. Dass der Radweg an völlig anderer Stelle durch das Reservat führen soll, ist unerheblich. Sie sollen zustimmen, am besten gleich hier und jetzt, sonst könnte das Angebot verfallen. Und um seinen guten Willen zu demonstrieren bietet Herr K. Jarmatz an, da der Landrat nur 95% der Gelder zusichert, die restlichen 5% der Finanzierung zu übernehmen (womit er sicherlich meint, dass Betrag mit den öffentlichen Geldern, die er verwaltet, ausgeglichen wird). Die Vertreter der Stadt sind überrascht und erbitten Bedenkzeit, schließlich sei das eine weit reichende Entscheidung, die zu treffen sei. Die wird ihnen schließlich zugestanden, vier Wochen werden ihnen gewährt, wenn sie dann nicht annehmen, bekämen sie nichts – weder Radweg noch Wiesenweg. Dass mit der Sperrung des Wiesenweges auch die in Schaliß befindlichen Grundstücke für ihre Eigentümer unzugänglich werden, interessiert Herrn K. Jarmatz offenbar genauso wenig wie die Interessen der Bürger.
    Die Zarrentiner schlagen nun vor, den Wiesenweg als Naturlehrpfad zu nutzen. Schulklassen könnten hier etwas über die heimische Tier- und Pflanzenwelt erfahren, Jugendliche könnten lernen, wie sensibel ökologische Gleichgewichte reagieren. So ein Konzept wäre im Sinne der UNESCO-Richtlinien und könne das UNESCO-Projekt „Biosphärenreservate in Deutschland“ unterstützen, das für Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 bis 10 ausgelegt ist. Aber auch dieser Vorschlag wird vom Verwalter ihrer Heimat abgelehnt.
    Am 14.07.2010 wird nun entschieden werden. Über die Sperrung eines uralten Weges zugunsten eines voll finanzierten Radweges eine Entscheidung zu fällen, scheint keine so bedeutungsvolle Angelegenheit zu sein. Aber hier geht es um mehr. Diese Entscheidung wird die Geschicke der Region auf die nächsten Jahre, vielleicht Jahrzehnte mitbestimmen. Sie wird die Frage, wer in Zukunft im Biosphärenreservat das Sagen hat in die eine oder die andere Richtung verschieben. Müssen sich die Menschen am See den allem Anschein nach willkürlich veranlassten Verordnungen eines Umweltmanagers fügen, oder haben sie Mitbestimmungsrechte? Steht ihre Stadtverwaltung hinter ihnen? Kann ihnen im Zweifelsfall ihr Ministerium helfen, oder ist auch ein Minister machtlos gegenüber der Verwaltung des Biosphärenreservats?
    Einen 800 Jahre alten Wiesenweg gegen den Widerstand der hier lebenden Menschen zu verriegeln und von den Karten zu tilgen, zeugt von Unverstand, persönlicher Machtdemonstration oder Desinteresse an den Belangen der Menschen. Nichts davon sollte zu den Eigenschaften oder zum Verhalten des Leiters eines ganzen Biosphärenreservats zählen. Wie weit der Umweltmanager K. Jarmatz in seinem rücksichtslosen Handeln zukünftig gehen kann, hängt auch und vor allem von der Entscheidung der Stadtvertreter am kommenden Mittwoch ab.

  3. WHam 12.07.2010 um 20:19

    Am 14.7.2010 nächste Stadtvertretersitzung in Zarrentin, Doppelbeschluß zum Schalißer Weg auf der Tagesordnung, klingt nach Erpressung: neuen Alternativweg für 165 T € gibt es nur, wenn für die Abgabe des alten Weges gestimmt wird!

  4. WHam 01.08.2010 um 17:42

    Auf der Stadtvertretersitzung am 14.7.2010 gab es eine ziemlich eindeutige Entscheidung der Stadtvertreter für ein Mitspracherecht bei der Planung von Wanderwegen in ihrer Region. Sie haben sich diese Entscheidung bestimmt nicht leicht gemacht, 165 T Euro erstmal auf die lange Bank geschoben, 12 Stimmen gegen den Neubau des Alternativweges und diskussionslose Streichung des uralten Wirtschaftsweges und nur 4 Stimmen für die Beschlußvorlage, ausgerechnet von den “Bürgernahen”. Dabei sind die Vertreter bestimmt nicht gegen die 165 T und den Alternativweg, sondern gegen die Streichung des alten Weges ohne Diskussion. Vorschläge für eine einvernehmliche Lösung vom Arbeitskreis “Wander- u. Radwege” – von der Bürgermeisterin gebildet – als Naturlehrpfad unter Kontrolle des AfBR wurden vom Leiter ohne weitere Diskussion vom Tisch gefegt! Interesse auf der Sitzung war wieder sehr groß, immerhin wieder ca. 65 Bürger anwesend. Wie geht`s nun weiter? Wir müssen trotz des Widerstandes der Amtsperson K. Jarmatz darüber reden aber endlich mit einem positiven Ergebnis für die Region! Das darf nicht nur an einer Person, wenn auch amtlich, hängen.

    Klasse das Schreiben von S. Finck.
    Mit hoffnungsvollem Gruß W.H.

  5. WHam 08.08.2010 um 11:43

    betrifft Landtagsanfrage Schalißer Weg

    Sigrun Reese, FDP: Schönen guten Morgen! Sehr geehrter Herr Minister!
    20. Welches überwiegende öffentliche Interesse macht es notwendig, die Benutzung dieses öffentlichen Wanderweges zwischen landwirtschaftlich genutzten Flächen außerhalb der Kernzone des Biosphärenreservates per Allgemeinverfügung vollständig zu untersagen?
    Minister Dr. Till Backhaus: Frau Reese, zunächst eine kurze Vorbemerkung: Sie wissen, und da sind wir uns, glaube ich, hoffentlich auch einig, welchen Schatz wir, was die naturräumliche Ausgestaltung des Landes Mecklenburg-Vorpommern angeht, haben. Ich glaube, da sind wir uns einig.
    (Sebastian Ratjen, FDP:
    Dazu gehören auch die Menschen.)
    Ich glaube, die drei Nationalparke und die drei Biosphärenreservate sind gerade die Flaggschiffe des Naturschutzes, des Umweltschutzes und auf der anderen Seite die Marke des Landes Mecklenburg-Vorpommern, nämlich das Bundesland zu sein, das den Naturschutz, den Umweltschutz, die Artenvielfalt und Alternativen der wirtschaftlichen Aktivitäten in Richtung Nachhaltigkeit umsetzt. Dass das den einen oder anderen Konflikt auch heraufbeschwört, das machen Sie mit Ihrer Anfrage deutlich.
    Was das öffentliche Interesse anbetrifft, so will ich darauf hinweisen, dass es dort seit Jahren Entscheidungen gegeben hat, diesen Wanderweg als solchen nicht mehr zuzulassen, weil er seit über 40 Jahren nicht mehr als öffentlicher Weg ausgewiesen war. Das ist im Übrigen auch durch Gemeindebeschlüsse der Stadt Zarrentin und des Amtes so untersetzt und untermauert worden. Und dann hat es jetzt Diskussionen gegeben, wie und in welcher Form wir die touristische Infrastruktur dort vor Ort verbessern können.
    Was das öffentliche Interesse anbetrifft, will ich ausdrücklich betonen, nach FFH- und Vogelschutzgebietsverordnung ist dieser Weg, von dem Sie hier sprechen, durch das Landesraumordnungskonzept als Vorranggebiet für Natur- und Umweltschutz ausgewiesen worden. Und aufgrund der Meldung nach Brüssel in Form von FFH- und Vogelschutzgebiet ist dieses Gebiet geschützt worden. Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass dieser Weg im Zusammenhang mit einem Kranichrast-, aber auch -aufenthaltsgebiet im Zusammenhang steht und es dazu immer wieder intensive Gespräche gegeben hat.
    Die Lösung: Was kann die Lösung sein? Auch da will ich betonen, es hat durch uns und unser Haus das Angebot an die Gemeinde Bantin, das werden Sie wissen, gegeben, ein Flurneuordnungsverfahren einzuleiten mit dem Ziel, auch dieses Problem dort vor Ort zu lösen. Ich glaube, dass wir jetzt auf einem guten Weg sind, sodass in Kürze ein Alternativvorschlag für einen sehr attraktiven Wanderweg auch vorgelegt wird.
    Sigrun Reese, FDP: Eine Zusatzfrage: Sie meinen den Weg von der Badestelle Schaliß ausgehend östlich um den Kiepenbusch herum?
    Minister Dr. Till Backhaus: Den meine ich, die Alternative.

    Dr. W. Hanebeck Zarrentin, 3.8.2010
    Amtsstr. 35
    19246 Zarrentin

    Herrn Minister
    Dr. Till Backhaus
    Paulshöher Weg 1
    19061 Schwerin

    Sehr geehrter Herr Minister Dr. Backhaus!
    Im Internet habe ich zur Fragestunde der Landtagssitzung am 8.7.10 gelesen, unter anderem zu der Frage 20 von Frau Sigrun Reese (FDP) „ Welches überwiegende öffentliche Interesse macht es notwendig, die Benutzung dieses öffentlichen Weges ……. per Allgemeinverfügung vollständig zu untersagen?“ Sie haben in Ihrer Zuständigkeit diese Frage nach meinem Wissen und meiner Auffassung und auch nach Ihrer bei Zusammenkünften mit uns geäußerten Meinung so nicht den Tatsachen entsprechend korrekt beantwortet.
    … dass es dort seit Jahren Entscheidungen gegeben hat, diesen Weg als solchen nicht mehr zuzulassen, weil er seit über 40 Jahren nicht mehr als öffentlicher Weg ausgewiesen war. – Diese Aussage ist nicht richtig. Diese sogenannten Entscheidungen wurden einseitig vom Naturparkamt bzw. vom Biosphärenamt getroffen. Noch auf der Zusammenkunft mit Ihnen im Januar des Jahres im Pahlhuus hat der Amtsleiter Herr Jarmatz gesagt, man solle ihn nicht für alles verantwortlich machen, er habe den Weg doch gar nicht gesperrt.
    Unrichtig ist auch, dass der Weg seit über 40 Jahren nicht mehr als öffentlicher Weg ausgewiesen ist. – Sie, Herr Dr. Backhaus, müssten als ehemaliger Anwohner des Sperrgebietes die damalige Wirklichkeit der Willkürentscheidungen kennen und besser einschätzen. Der Weg kam 1972 mit dem Erlass einer neuen Grenzordnung, wie Schaliß und viele andere Orte auch, in den 500-Meter Sperrstreifen (übrigens eigentlich nur, weil ein General sich die Schalißer Wochenendhäuser als Erholungsdomizil ausersehen hatte) und war damit der Öffentlichkeit weiter zugänglich, wenn sie einen Passierschein hatte. Mann sollte doch hier bitte nicht eine sogenannte Grenzordnung des DDR-Regimes als Begründung vorschieben. Der Weg wurde damals weiterhin regelmäßig von den Grenztruppen mit Fahrzeugen und von der Landwirtschaft benutzt. Die Boissower Wiesen wurden bis 1991 von der Landwirtschaft genutzt und gepflegt, sie waren noch Bäuerliche Kulturlandschaft im Gegensatz zu heute. 1990/91 ist der Weg noch einmal vom damaligen Landwirtschaftsbetrieb breit ausgeschoben worden, also kann man doch bitte nicht davon sprechen, dass der Weg seit über 40 Jahren nicht mehr als öffentlicher Weg ausgewiesen war. Der Weg ist so alt wie das Dorf Schaliß – nämlich über 800 Jahre, beides soll jetzt aus der Landkarte gestrichen werden!
    Sehr geehrter Herr Dr. Backhaus, auch Ihre Erklärung – Das ist im Übrigen auch durch Gemeindebeschlüsse der Stadt Zarrentin und des Amtes so untersetzt und untermauert worden. – ist doch so nicht richtig. Das Gegenteil ist der Fall. Es gibt bis heute einen gültigen Flächennutzungsplan der Gemeinde, der auch von Ihrem Ministerium genehmigt wurde, der einen Teil des Weges, und um den geht es vorrangig, als Wanderweg ausweist. Und die Bürgermeisterin, die ja nach Ihren Aussagen auf der Zusammenkunft im Januar des Jahres die Planungshoheit in ihrer Gemeinde hat, hat in Absprache (in Anwesenheit von zwei Mitarbeitern des AfBR) mit einer demokratisch gebildeten Arbeitsgruppe der Stadt für die Auszäunung des illegal als Weide genutzten Weges gesorgt. Die Stadtvertreter haben auf der letzten Sitzung mit Mehrheit (12:4) gegen eine diskussionslose Aufgabe des Weges gestimmt. Es gibt einen diskussionsfähigen Vorschlag für eine sanfte Nutzung des Weges als Naturlehrpfad, der mindestens einmal von der Bürgermeisterin und einer Stadtvertreterin bei Herrn Jarmatz vorgestellt wurde, auch dieser Vorschlag wurde bisher ignoriert. (Ich lege Ihnen gerne eine kartenmäßige Darstellung zu dem Austausch bei.)
    Das überwiegende öffentliche Interesse, wonach ja gefragt wurde, schließt natürlich das öffentliche Interesse der „kleinen“ Gruppe der unmittelbar Betroffenen, der hier Wohnenden aus. Die finden keine Berücksichtigung, obgleich es ihr Lebensraum ist, um den es geht. Es ist weiterhin zu bestreiten, dass die sanfte Nutzung dieses Weges der Ausweisung als FFH- und Vogelschutzgebiet widerspricht, da die viel benannten Kraniche nicht dort sind, wo sie laut Aussagen der Naturmanager sein sollen und der Weg weit entfernt vom Ufer entlang führt.
    Sehr geehrter Herr Minister, ich möchte mich fast dafür entschuldigen, dass ich Sie auf so viele unrichtige Informationen in der Beantwortung der gestellten Frage hinweisen muss. Es hat mich jedoch leicht empört, diese Darstellungen so zu lesen.

    Hochachtungsvoll

  6. WHam 03.09.2010 um 15:48

    Am 16.9. gibt es in Zarrentin wieder eine Stadtvertretersitzung u.a. zum Schalißer Weg. Pünktich dazu kommen wieder die Keulen vom Ministerialdirigenten Herrn Schreiber aus dem Landwirtschaftsministerium. Es wird mit Ordnungsstrafverfahren bzw. sogar mit einem Strafverfahren gedroht, wenn die Bürgermeisterin nicht sofort den Weg per Kieshaufen zuschütten läßt. Bis zum 1.10. hat Vollzugsmeldung zu erfolgen! Hatten wir das nicht schon mal? Der Landrat fordert die Stadt im Kommunalanzeiger ebenfalls zum Versperren des Weges auf. Kein Wort zu unseren Vorschlägen zur Nutzung des Weges. Diskussion mit den Bürgern? Dazu läßt mann sich doch nicht herab!
    Die Hoffnung stirbt zuletzt. Gruß

  7. WHam 04.11.2010 um 19:39

    Ein weiterer Affront für viele Bürger in unserer Region findet heute mit einer Veranstaltung als sogenanntes Diskussionsforum unter der Rubrik “Infrastrukturelle Entwicklung der Schaalsee-Region aus Sicht der Verwaltung des Biosphärenreservates Schaalsee” statt. Herr Jarmatz wurde vom Veranstalter gebeten, seine Vorstellungen zu erläutern und den derzeitigen Stand der Entwicklung aufzuzeigen. In der Einladung heißt es weiter, daß einige Unternehmer aus der Schaalsee-Region, deren Wohlergehen wesentlich vom Tourismus abhängig ist und andere, an der Entwicklung der Region und an einem konstruktiven Austausch Interessierte, eingeladen worden sind. Aus der Einladungsliste mussten auf Forderung von Jarmatz alle ihm nicht genehme Personen gestrichen werden, darunter die Zarrentiner Bürgermeisterin und der Vorsitzende des Tourismus- und Gewerbevereins. Beide sind doch an der touristischen Entwicklung Hauptinteressierte und Akteure für unsere Region, die unbedingt dort hin gehört hätten. Beide haben es aber auch gewagt, dem Amtsleiter des Reservates zu widersprechen, eigene Vorschläge zu unterbreiten und den Amtsleiter zu mehr Kommunikations- und Konsensbereitschaft aufzufordern. Die Reaktion ist eindeutig. Man ist eingeschnappt und unterhält sich mit diesen Leuten nicht mehr. Sie werden bei solchen “konstruktiven” Veranstaltungen ausgeladen. Man fragt sich allerdings, wie konstruktiv kann so eine Veranstaltung noch sein und, warum lässt sich der Veranstalter darauf ein. Ist es nicht endlich an der Zeit, dass der verantwortliche Minister hier energisch duchgreift?

  8. WHam 01.04.2011 um 10:15

    Der Weg durch Schaliß und die Bewahrung der Historie
    In Abwandlung eines chinesischen Sprichwortes „Ein Weg besteht, wenn man ihn geht“ bleibt die Hoffnung, die Dorfstraße in Schaliß und den dazu gehörigen Wirtschaftsweg weiter als kleinen Wanderweg nutzen zu können. Kein Betreteverbot hindert den Wanderer, die schöne Natur mit einem herrlichen Blick über den See in der Ferne zu genießen. Zwischen alten, noch gut erkennbaren Steinmauern auf der Wanderung lässt sich die Geschichtsträchtigkeit dieser Gegend mit etwas Wehmut vermischt erkennen. Fundamente und Ziegelsteinreste geben Hinweise auf die 800-jährige bäuerliche Vergangenheit. In der neueren Vergangenheit verdienten hier noch vier Bauern den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien. Doch das Dorf verfiel weiter durch DDR-Grenzbestimmungen und Abgeschiedenheit bis auf das letzte Hallenhaus, das jetzt vor dem endgültigen Verfall von einem neuen Besitzer gerettet wird. Die Pläne sind groß und werden erheblicher finanzieller Aufwendungen des neuen Eigentümers bedürfen. Aber es besteht auch die große Chance, dass hier ein Bauerngehöft in seiner kulturhistorischen Form wieder entsteht, wenn auch nicht in seiner wirtschaftlichen Bedeutung wie früher aber als musealer Komplex. Er kann für die Allgemeinheit im Sinne von Erhaltung der bäuerlichen Kulturlandschaft eine Bereicherung sein, an die Vergangenheit erinnern und dem UNESCO-Anspruch an das Biosphärenreservat „Erhalt der bäuerlichen Kulturlandschaft“ und Bildung gerecht werden. Dem jetzigen Besitzer ist viel Erfolg bei seinen Bemühungen zu wünschen. Den Bewohnern unserer Region und auch Kennern unter den Touristen ist zu wünschen, dass sie ohne Behinderung den Weg für Spaziergänge nutzen können und dabei auch etwas über die geschichtlichen Ereignisse in dieser Landschaft erfahren. Voraussetzung dafür sollte jedoch für jeden Wanderer immer der Gedanke des Schutzes der schönen Natur dort und sein persönlicher Einsatz dafür sein, die Einsicht, den Weg nicht zu verlassen, dort jegliche Störung zu vermeiden und den Weg nicht mit Kraftfahrzeugen, ausgenommen die dort wirtschaftenden Landwirte, zu befahren.

    Marion Hanebeck, Zarrentin

    Dieser Artikel an die SVZ vom 16.3.d.J. wurde bisher leider noch nicht veröffentlicht.

  9. BKam 07.05.2012 um 20:09

    Für den Schalißer Weg ist endlich am 18.4.12 eine gerichtliche Reglung gefunden, zwar nur ein Beschluß zu einem Vergleich und kein Gerichtsurteil, aber damit ist der zwanzigjährigen Willkür des Biosphärenamtes zur Sperrung dieses Weges endlich ein Riegel vorgeschoben. Der Vergleich bezeichnet den Weg als einen “für die Öffentlichkeit begehbaren Weg”. Also er kann von allen bewandert werden!
    Dazu erschien in der SVZ vom 19.4. eine Artikel, der den Erfolg negieren sollte. Am 25.4. erschien folgender weiterer Artikel, der die Situation realer wiedergibt: Verwaltungsgerichtsbeschluss zum Schalißer Weg – klare Richtlinien für beide Seiten Der Tenor der Anwesenden der Stadt, der Bürgerinitiative und des Vereins „Pro Techin“ und auch des klagenden Landbesitzers nach der Gerichtsverhandlung am 18. April in Schwerin ist wesentlich positiver als in dem Bericht von Franca Niendorf dargestellt. Nach der Gerichtsverhandlung wissen alle, dass jeder auf dem Weg wandern darf. Darüber sind wir sehr froh und sehen es als großen Erfolg unserer zwanzigjährigen Bemühungen an. Es ist ein Gerichtsbeschluss zu einer gerichtlichen Vereinbarung zwischen den beiden Klägern (Stadt und Landbesitzer) und Beklagtem (Biosphärenamt) ergangen, mit dem wir alle recht gut leben können. Er hat endlich festgeschrieben, dass der Weg ein für die „Öffentlichkeit zugänglicher Wanderweg“ bleiben wird, was das Biosphärenamt seit über 20 Jahren verhindern wollte. Der Weg ist also für Jedermann begehbar. Er wird nun entsprechend ausgeschildert und nur zu bestimmten Kranichzugzeiten (1.9. bis 30.11.) gesperrt. Das Kranichverhalten wird weiter gemeinsam beobachtet. Das ist eine Festschreibung der Maßnahmen des vergangenen Jahres im Sinne des Kranichschutzes, mit der wir sehr einverstanden sind. Desweiteren schafft die gerichtliche Vereinbarung die Voraussetzung zu einer unsererseits gewollten besseren Zusammenarbeit zwischen Biosphärenamt und der Stadt in Belangen der weiteren touristischen Entwicklung in unserer Region. Kläger und Beklagter sind darin angehalten, bei beidseitigen Themen und Planungen miteinander zu verhandeln. Das sind Erfolge der überwiegenden Mehrzahl der Zarrentiner Stadtvertreter und der Bürgermeisterin, die letztendlich trotz herber Drohungen und falscher Gesetzesauslegung durch verschiedene übergeordnete Behörden und gewählte Institutionen konsequent für ihre Rechte, für das Eigentum der Stadt und die Belange eines Großteils der im Biosphärenreservat lebenden Menschen gekämpft haben. Diese Vereinbarung bringt Klarheit, und wir sehen sie als großen Erfolg für die Stadt Zarrentin an. Sie schafft gute Voraussetzungen für die Verbesserung des Verhältnisses zwischen Stadt und Biosphärenamt. Schließlich sind beide darauf angewiesen.

    Zarrentin, 19.04.20012 Dr. W. Hanebeck (BI)

    erschienen erst am 25.4.12

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