von Volker Bohlmann
aus SVZ vom 02. Dezember 2009
Origionalartikel als PDF: SVZ_2009,Dez.2,_Stirbt_das_Moor_auf_Raten[1]

DECHOW – Ist das Kuhlrader Moor noch zu retten? Diese Fragen stellen sich Biologe und Fachmann für Moose Torsten Richter, Martin Bauer als anerkannter Gutachter für Naturschutz und Landschaftsökologie sowie Naturfreund Volker Jödicke. Nach ihren Aussagen sind sämtliche wertvollen Torfmoosarten im Moor abgestorben. Ein Alarmsignal, wie sie sagen.

Mit ihrer Kritik reagieren die Fachleute auf die jüngsten Aussagen von Thomas Neumann, Leiter der Naturschutzstelle Nord der Umweltstiftung WWF. Denn Neumann belächelte jüngst die Aussagen des Dechowers Horst Moog, “dass Kuhlrader Moor sei mausetot” (wir berichteten). Moog stützt sich auf wertvolle Naturaufnahmen aus dem Archiv von Naturfreund Dieter Fenske und Aussagen von Fachleuten.

Doch all die Pflanzen interessieren Neumann, der zugleich als stellvertretender Verbandsvorsteher des Zweckverbandes Schaalseelandschaft für die Bewirtschaftung des Moores mit verantwortlich zeichnet, scheinbar nicht. Er sieht in der aktuellen Wiedervernässung einen wichtigen Beitrag in puncto Vogelschutz im Moor.

Genau dies widerspreche dem eigentlichen Moorschutzprogramm, monieren Richter und Bauer. “Torfmoosarten wie Sphagnum magellanicum und Sphagnum rubellum (lat.) kommen augenscheinlich nicht mehr im Kuhlrader Moor vor”, so Torsten Richter. In dem vom Land herausgegebenen Buch die Naturschutzgebiete in MV aus dem Jahre 2003 ließ die Biosphärenreservatsverwaltung schreiben: “Im Zentrum des Moores dominieren Torfmoos-Schilfröhrichte und Torfmoos-Seggenriede…” Davon sei nichts mehr zu sehen. Die Kritiker fragen sich: Wurde der Bericht aus der Biosphäre geschönt oder aus Unwissenheit alte Facharbeiten kopiert? Das Vorhandensein der seltenen Pflanzen war eine wesentliche Voraussetzung, um dem Moor von Landesseite einen besonderen Schutzstatus zu geben.

Richter, der im Rahmen der Erarbeitung eines so genannten FFH-Managementplans einen beauftragten Kartierer vor Ort fachlich begleitete, ist schockiert: “Die Fakten sind erdrückend. Außerdem ist die Art und Weise, wie Herr Neumann die Arbeit lokaler Akteure bewertet, nicht zuträglich für den Naturschutz. Das Gesamtprojekt, die Vielfalt, der Biotopschutz müssen im Vordergrund stehen.”

Mit der zunehmenden Verarmung der Moorflora, ist zudem die Arbeit des engagierten Naturschützers Karl-Heinz Molkenthin zerstört. Er war es, der sich über Jahrzehnte für Vielfalt im Moor einsetze, mit der Landwirtschaft den Wasserhaushalt regulierte, damit eben die besonderen Arten überlebten.

“All dies ist Geschichte”, betont Martin Bauer. Beim Kuhlrader Schutzgebiet handelt sich um ein Zwischenmoor, im Kern ein so genanntes Regenmoor, welches über natürliche Niederschläge seine Wasserversorgung erhält. Angesichts des hohen Wasserspiegels vermutet Bauer, dass es Staustufen im Moor gibt. Die Folge: Oberflächenwasser umliegender Felder und Wiesen strömt ein und verbleibt im Moor. Die Folge: “Durch die Überstauung der Vegetation sterben die schützenswerten Pflanzen ab, kann sich kein Torf bilden, Nährstoffe werden freigesetzt.” Folglich kann nicht wie argumentiert, Kohlendioxid im vollen Umfang gebunden werden.

Mit dem schlechten Zustand des Moores begründet sich für Volker Jödicke als berufener Bürger des Nordwestkreises für den Zweckverband Schaalseelandschaft die aktuelle Handlungsweise verantwortlicher Stellen. Dazu gehöre anscheinend die Ausgrenzung von Menschen und kritischen Experten. “Die morgige Anhörung zum FFH-Manageplan darf keine Alibi-Veranstaltung sein”, fordert Jödicke. Richter fügt hinzu: “Wir alle haben das Recht die botanischen Köstlichkeiten zu sehen. Wir brauchen kein Ghetto für Vögel. Der Mensch gehört zur Natur und nur mit ihm lässt sich Naturschutzarbeit realisieren.”